Kompositionswettbewerb 2010

Internationaler Wettbewerb zur Vertonung eines in Altgriechisch geschriebenen Librettos Helike Athanatos (Helike unsterblich) über die versunkene antike Stadt Helike und ihre bald zu erwartende Entdeckung mit dem Triumph der archäologischen Forschung.

Die damalige Ausschreibung des Wettbewerbes finden Sie hier.

Bekanntgabe der Ergebnisse des Internationalen Kompositionswettbewerbs Helike Athanatos Andreas-Drekis-Award-Composition

Jury:

Dr. Spyros Mazis, Komponist (Griechenland)
Univ-.Prof. Dr. Werner Schulze, Professor für Musik und darstellende Kunst (Österreich)
Alois Springer, Chefdirigent (Deutschland)

Weitere Infos auch auf unserer alten Webseite Informationen über Helike archäologische Forschung


Tania Sikelianou

Tania Sikelianou ist eine griechische Komponistin und Violinistin, die in Patras geboren wurde und sowohl Violine als auch Komposition studiert hat. Sie absolvierte ihre Studien unter anderem am Conservatorium Amsterdam in den Fächern Komposition und Violine und nahm an internationalen Meisterkursen teil, etwa in New York, Genf und Brügge.

GP 1787

In ihrem Wettbewerbsbeitrag GP 1787 setzte sie das altgriechische Libretto zur Oper Helike Athanatos musikalisch um.

Die Jury lobte die Fähigkeit ihrer Komposition, die dramatischen und emotionalen Aspekte des antiken Textes ausdrucksstark in Klang zu übertragen und die Struktur des Librettos mit orchestraler und vokaler Vielfalt zu verbinden. Besonders hervorgehoben wurde die überzeugende musikalische Erzählung, die sowohl dramatische Gleichgewichte als auch intensive Klangfarben nutzt, um die Bühne des mythologisch-archäologischen Stoffes lebendig werden zu lassen.

Ihre Website:

www.taniasikelianou.com

Herman Rechberger

Herman Rechberger (*14. Februar 1947 in Linz; †11. Januar 2022) war ein österreichisch-finnischer Komponist, Multi-Instrumentalist und Musiker. Er studierte klassisches Gitarrenspiel und Komposition an verschiedenen europäischen Instituten und wurde 1974 finnischer Staatsbürger.Rechberger war in der zeitgenössischen Musikszene als Komponist von Opern, Symphonien, Chormusik und multimedialen Werken bekannt und arbeitete u. a. als Musikproduzent und Leiter des Experimentalstudios beim finnischen Rundfunk.

Helike Athanatos

Sein Wettbewerbsbeitrag zur Oper Helike Athanatos zeichnet sich durch eine dramaturgisch durchdachte Einbettung des altgriechischen Librettos aus, die für Aufführungen im Freien und antiken Amphitheatern konzipiert wurde.

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Rechberger betrachtete Sprache als musikalische Struktur und integrierte dies in die Komposition, indem er rhythmische, melodische und klangliche Elemente aus der altgriechischen Dichtung aufgriff und mit instrumentalen Farben verband. Die Jury hob die Vielschichtigkeit seiner opernhaften Umsetzung hervor, die sowohl die narrative Spannung als auch die musikalische Atmosphäre des Themas überzeugend transportiert.

Seine Website:

http://sonopt.pp.fi/

Herman Rechberger über sein Werk

Alte Sprachen und deren Kulturen waren und sind für mich immer eine Herausforderung. Es sei vorweg gesagt, das Sprachen für mich ganz klar alle musikalischen Parameter beinhalten: Melodie, Tonhöhe, Intonation, Phrasierung, Rhythmus, Ausdruck und zu einem gewissen Grad sogar Harmonie. Die Sprache hat, wie die Musik, eine Logik, eine Grammatik, ein Vokabular.

1996 habe ich meine erste Kirchenoper nach einem von mir verfassten Libretto in Latein komponiert. In zahlreichen anderen Vokalwerken habe ich Sanskrit, die Inkasprache Nahuatl, Ewe, Chinesisch, Akkadisch, Altägyptisch und Koïné als Textvorlagen verwendet. Also dachte ich nach Erhalt des attischen Librettos, „Warum also nicht eine Oper in Altgriechisch?“

Das Libretto von Franz Knappik (inklusive der Zitate von Sappho und Alkman, die Dokumentationen von Strabon und Pausanius über das Erdbeben, sowie ein neugriechisches Liebesgedicht von Andreas Drekis) ist in seinem Aufbau eine gelungene Kombination von Alt und Neu. Dessen Dramaturgie lässt eine Vielfalt von kompositorischen Lösungen zu. Bei der Konzeption meiner Version der „Helike Athanatos“ habe ich hatte ich immer eine Aufführung in einem Amphitheater im Sinn. Deshalb ist die Musik auch eher archaisch – mit einem minimalistischem Anstrich – als modernistisch. Das Tonmaterial enthält hauptsächlich griechische Modi (Dorisch, Phrygisch, Lokrisch), aber auch Skalen aus der Volksmusik und des Rebetiko (Hijaz, Kartzigar, Nevezeri, Sabah).

Die Orchestration enthält auch einen Synthesizer, sowie ein Santouri und ein Laouto, die an vielen Stellen eine „griechische Farbe“ garantieren. Die Benutzung einer einzigen, fast solistischen Klarinette im Orchester, gibt manchmal die Illusion epirotischer Volksmusik. Der Chor hat, wie in antiken Schauspielen, meistens eine erzählende Rolle (z.B. in den Dokumentationen des Strabon und Pausanius), an anderen Stellen wieder rituelle (Feste zu Ehren Poseidons) und lyrische Funktionen (Gedicht des Alkman).

Sehr pedant war ich bei der Behandlung des Rhythmus der altgriechischen Sprache. Ich habe bei meiner Kompositionsarbeit jeden einzelnen Satz zuerst rhythmisch analysiert. Der Rhythmus der gesamten Oper ist dem Sprachrhythmus unterworfen.

Einige Stellen des Librettos sind melodramatisch verarbeitet. Das heisst die Dialoge (z.B. im Symposium und später im archäologischen Kongress) sind gesprochen, mit instrumentaler Untermalung und Kommentaren. Die Instrumente werden somit in die gesprochene Dialoge miteinbezogen. Die Rollen sind klar verteilt: Es gibt eigentlich nur zwei „überlebende“ Hauptdarsteller, Kleánthes (Bariton) und Diotíma (Mezzosoprano). Die meisten anderen Rollen sind Metamorphosen (sowie z.B. der Gastgeber im Symposium wird zum Vorsitzenden im Kongress, die zwei Philosophen werden zu Bankier und Politiker). Dora und Steven mit ihrer Liebe zur Archäologie sind gewissermassen verwandt mit dem Liebespaar Kleánthes-Diotíma (das Verbindungsglied ist das wiederkehrende „Vasenthema“.

Die vielleicht schwierigste Aufgabe war es, ein Erdbeben musikalisch eindrucksvoll darzustellen (ein Erdbeben dauert in der Regel nur einige Sekunden). Ich habe mirviele Aufnahmen solcher Ereignisse angehört und bin zu dem Schluss gekommen, dass diese Art der Naturkatastrophe nur in einer Klangfarbenkomposition darzustellen ist, die auch die Gefühle der Betroffenen mit einbezieht. Deshalb habe ich im Tsunami dem Chor einen quasi-instrumentalen Part übertragen, der gleichzeitig auch als Klagegesang zu verstehen ist.

Möge meine Oper Helike Athanatos durch eine Freilichtaufführung der Wiederentdeckung dieser einst so glanzvollen Stadt gebührende Ehre erweisen.

34 Leute im Orchester (Minimum), 16 Leute im Chor (Minimum), vier Solisten, acht Sprechrollen, insgesamt 62 Personen (Minimum)
Für jede weitere Frage bezüglich der Opernwerke und ihrer Aufführung kann auch der Kontakt zum jeweiligen Komponisten hergestellt werden.

Besetzung des Orchesters
  • Zwei Flöten
  • Zwei Oboen
  • Eine Klarinette
  • Zwei Fagotte
  • Ein elektrisches Klavier (mit MIDI)
  • Ein Laouto, nur durch Gitarre zu ersetzen (alternativer Part vorhanden), wenn absolut nicht organisierbar, Instrumentenfarbe sehr wichtig, entspricht auch besser dem Klang der griechischen Lyra
  • Ein Santouri (Hackbrett), auch durch Harfe (Einfachpedalharfe genügt) zu ersetzen
  • Pauken
  • Zwei Hörner
  • Zwei Trompeten
  • Zwei Posaunen
  • Sechs erste Violinen
  • Vier zweite Violinen
  • Drei Bratschen
  • Zwei Celli
  • Zwei Kontrabässe
Besetzung des Chores
  • Diotima (Die angebetete Geliebte) Mezzosoprano
  • Kleanthes (Geliebter von Diotima)— hoher Bariton
  • Estiarkhes (Gastgeber des Symposiums) Sprechrolle
  • Dora (Griechische Archäologin) singende Schauspielerin mit wenigen, leichten Gesangsaufgaben
  • Stephanos (Mitwirkender Physiker und Amateur-Archäologe) Sprechrolle
  • Hypatia (Philosophin) Sprechrolle
  • Philosophos I+II (Philosophen 1+2) Sprechrollen
  • Kyrios I+II (Herr 1+2) Tenor
  • Kefale (Vorstand) Sprechrolle
  • Agroteros (Bauer) Stimme aus dem Chor

Johannes Kotschy

Johannes Kotschy ist ein österreichischer Komponist, dessen künstlerische Arbeit von der Verbindung von Material, handwerklicher Fertigkeit und persönlicher Imagination geprägt ist. Er beschreibt seine Musik als Ausdruck unmittelbar empfundener musikalischer Sensationen, die über Worte hinausgehen und direkt beim Hörer Resonanz erzeugen sollen. In seiner kompositorischen Praxis legt er Wert auf eine präzise Ausarbeitung von Klangmaterial und eine imaginative Nutzung akustischer Ressourcen.

Helike Athanatos

Für den Wettbewerb „Helike Athanatos“ schuf Kotschy eine Partitur, die sich durch eine eigenständige musikalische Sprache auszeichnet.

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Die Jury würdigte seine Arbeit als besonders originell und klanglich interessant, auch wenn sie nicht alle Kriterien für einen ersten Preis erfüllte. Seine Komposition zeichnet sich durch eine kreative Auseinandersetzung mit Klangmaterial und kompositorischer Fantasie aus; sie vermittelt Hörerlebnisse, die unmittelbar und ohne zusätzliche Erklärung in ihrer Wirkung stehen.

Seine Webseiten:

www.newkeyboard.de
www.naturton-musik.dewww.ekmelic-music.org

Johannes Kotschy über sein Werk

Zum Komponieren benötige ich vor allem dreierlei: Material, Handwerk und Fantasie. Als Material dienen die Töne – nicht allein die zwölf Halbtonstufen unseres geläufigen Tonsystems, sondern alle Töne, die man sich vorstellen kann. Das Handwerk ist das detaillierte Wissen um die Zusammenhänge zwischen den Tönen und den Klängen. Und die Fantasie, die mein individueller Beitrag zum Entstehen der Musik ist, dient zur Gestaltung der neuen Musikstücke. Anregend dazu ist alles, was ich erlebe und fühle – ob es aus der Literatur kommt, der Malerei, aus der Natur, von Mitmenschen und dessen, was sie tun, und was aus mir selbst kommt. Mein Ziel ist, mit meiner Musik die Menschen zu erreichen, ohne dazu Worte und Erklärungen brauchen zu müssen – dass die Musik vermitteln kann, was sonst unausdrückbar ist, so, wie es Beethoven gesagt hat: „Von Herzen – möge es zu Herzen gehen!“

Die Besetzung habe ich in der Partitur notiert: es sollten min. 25 Streicher, min. acht Holz- und sieben Blechbläser, zwei bis drei Perkussionisten, eine Harfe und als besonderses Instrument eine Bouzouki sein – also ein Orchester mit über 40 Musikern. Der Chor sollte in der Alt – und Tenorstimme teilbar sein, also etwa 30 Mitglieder haben – allerdings: wenn es erfahrene Sänger und Sängerinnen sind, genügen schon 16.

Also sechs Solisten, wobei die ersten drei die Hauptrollen haben. 
45 Leute im Orchester (Minimum), 16 Leute im Chor (Minimum, empfohlen 30 Leute), sechs Solisten und eine Nebenrolle => 68 Personen (Minimum)
Für jede weitere Frage bezüglich der Opernwerke und ihrer Aufführung kann auch der Kontakt zum jeweiligen Komponisten hergestellt werden.

Besetzung der Solisten
  • Diotima: ein Sopran
  • Hypatia, Dora: eun Mezzosopran
  • Kleanthes: ein Tenor
  • Philosoph 1, 1. Herr, Homer: ein Bassbariton
  • Philosoph 2, 2. Herr: ein Tenorbuffo
  • Gastgeber, Vorsitzender: ein Bass
  • Steven (Nebenrolle): ein Tenor

Michail Andritsopoulos

Michail Andritsopoulos ist ein zeitgenössischer griechischer Komponist, der in seinem Werk experimentelle und innovative Ansätze mit anspruchsvoller musikalischer Struktur verbindet.

Die Irrfahrten des Odysseus

Die Jury verlieh ihm eine Anerkennung für die hohe Ideenvielfalt des Werks und die lebendige musikalische Gestaltung, die von singend-sprechenden Solopartien über rhythmisch markante Chorsequenzen bis hin zu komplexen Orchesterbewegungen reicht.

Seine Webseite:

http://www.thearchitect.gr/projects/mixalis/site/

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